Rührgedanken oder: Was würde Mahatma Ghandi dazu sagen?

Fast jede Tätigkeit kann Friedensarbeit sein und zwar immer dann, wenn sie authentisch und von gutem Willen getragen ist.

Authentisch heißt, eine innere Gestimmtheit findet in der Tätigkeit ihren Ausdruck, keine Gewissensbisse und kein innerer Widerstand stehen im Wege. Ein weiteres Merkmal ist die Selbstbestimmtheit des Menschen in seiner Tätigkeit. Bei der Tätigkeit kann es sich um Sozialarbeit, Handel, Journalismus, Haushalt, Erziehung, Handwerk oder eben auch um Landwirtschaft handeln.

Der biologisch-dynamisch arbeitende Landwirt erkennt an, dass es hinter der materiellen Welt auch eine geistige Realität gibt. Der Einsatz entsprechender Hilfsmittel, die mit dieser geistigen Realität in Verbindung stehen, ist in seiner Art am ehesten mit Homöopathie zu vergleichen. Auch Homöopathie wirkt nicht chemisch oder physikalisch, sondern durch Übertragung einer Gestimmtheit, die dann im Körper in materielle Vorgänge umgesetzt wird. So wirken auch die biologisch-dynamischen Spritzpräparate, die als Wasser ausgebracht im Boden oder der Pflanze wirksam werden.

Hornkiesel ist eines dieser Präparate. Um es zur Wirkung zu bringen, wird es eine Stunde in wechselnder Richtung in Wasser gerührt.

Bei strömendem Regen beginne ich meine Arbeit. Ich rühre von Hand. Nach einer halben Stunde nässt mein Filzhut durch, dann beginnen die Gedanken zu fließen: Was hat Ghandi damit zu tun? Er sagt: Mein Ziel muss sichtbar werden in der Art und Weise, wie ich etwas unternehme. Kein Friede durch Gewehre. Denn dem Ziel eines Friedens unter den Menschen entspricht allein die Gewaltfreiheit.

Dem biologisch-dynamischen Landbau geht es um die Verlebendigung des Bodens und der Pflanzen – also bleiben wir im Lebendigen und rühren mit lebendiger Hand. So stehen hier die eingesetzten Mittel in Übereinstimmung mit dem Ziel. Das ist die Gemeinsamkeit von Friedensarbeit und biologisch-dynamischem Landbau.

Ein anderer Gedankenfaden setzt an der Wissenschaft der Kybernetik an. Sie erforscht die Verknüpfungsstellen in Systemen. In einem Gerät (z.B. einer Präparaterührmaschine) sind diese Verknüpfungsstellen mechanischer Natur. Einzelteile, die vorher keinerlei Beziehung zueinander hatten, werden zusammengebaut und erfüllen eine bestimmte Aufgabe. In einem Organismus sind die Verbindungsstellen lebendig. Sie beeinflussen sich wechselseitig, regeln sich durch die unterschiedlichsten Vorgänge. Lebensqualität, nach der wir streben, entsteht beim Leben in lebendigen Zusammenhängen. Ein Bauernhof kann wie ein Organismus erlebt werden, als Individualität aus vielen Einzelwesen. Das Eigenleben stärken, das ist der Individualisierungsvorgang, zu dem die Feldpräparate wie Hornmist und Hornkiesel beitragen.

Was meint Ghandi? Wir denken an sein Spinnrad, das er jedem Menschen empfahl. Auch am Ende dieses Gedankenfadens steht für mich fest: Mittel und Ziel entsprechen einander am besten, wenn wir den Automaten beiseite lassen und das Rühren von Hand verrichten.

An die Adresse von uns Friedensbewegten: Lasst uns Verbündete dort finden, wo die gleiche Grundüberzeugung herrscht, was das Verhältnis von Weg und Ziel angeht, z.B. im biologisch- dynamischen Landbau.